, Thomas Horner

Bike-Marathon EM in Singen

Nun war es also so weit; mein erster Saisonhöhepunkt stand vor der Türe. Die Marathon EM der Nichtlizenzierten führte über eine Distanz von 75 km, wobei die Strecke eher flach war, dafür aber etliche kurze, sehr steile Rampen enthielt. Mit jeder Minute rückte der Start näher, und die Nervosität verhielt sich (hier spricht der Mathelehrer in mir) umgekehrt proportional zur verbleibenden Zeit vor dem Startschuss. Einfacher gesagt, ich wurde immer nervöser, was sich bei mir häufig dadurch äussert, dass ich Dinge wie Flickzeug, Bidons oder Startnummern nicht mehr finde, obwohl ich diese für einen Marathonfahrer überlebenswichtigen Accessoires vor wenigen Minuten noch in der Hand hatte. Ich war sehr dankbar, mit Hansueli einen kompetenten Betreuer zur Seite zu haben, so konnte ich mich voll und ganz auf die Startvorbereitungen konzentrieren. Vielen Dank an dieser Stelle für den tollen Support!

Obwohl es während dem Rennen kaum regnete, war die Strecke ziemlich schlammig und nass. Bereits fünf Minuten nach dem Start musste ich mich meiner Brille entledigen, um überhaupt noch irgendetwas zu sehen. Ich hatte die Auswahl, entweder ein Loch zu meinem Vordermann aufreissen zu lassen, und dafür vom Dreck verschont zu bleiben, den sein Hinterrad in meine Richtung schleuderte, oder aber dicht aufzuschliessen und dafür an Armen, Beinen und im Gesicht mit kleinen Dreckklumpen bombardiert zu werden. Ich entschied mich für ein Zwischending und schloss zwar dicht auf, fuhr aber leicht versetzt, damit ich etwas weniger Dreck abkriegte.

Auf den ersten 45 Kilometern lief es ziemlich gut. Manchmal fuhr ich in einer kleinen Gruppe, manchmal alleine. Es erstaunte mich, dass ich bergab besser mithalten konnte als an den Rennen in der Schweiz, was entweder an der relativ einfachen Streckenführung oder aber an der hervorragenden Bikebeherrschung der Eidgenossen liegen muss. Wie ich nach dem Rennen erfuhr, lag ich bei der ersten Zwischenzeit auf Kategorienrang 21, was in etwa meinen Erwartungen entsprach, denn ich hatte mir vorgenommen, bei den Herren1 unter die ersten 30 zu fahren.

Die letzten 30 Kilometer waren für Mensch und Material ein ziemlicher Kampf. Ich litt an immer stärkeren Krämpfen, welche noch extremer wurden, sobald ich aufhörte zu treten. So musste ich schauen, dass meine Beine immer in Bewegung blieben, auch wenn es bergab ging. Am Bike klebte extrem viel Dreck, und ich wunderte mich, dass die Schaltung trotzdem bis zum Schluss funktionierte, während andere sich teilweise mit Plattfüssen, losen Schrauben und verklemmten Ketten herumschlagen mussten. Ich büsste einige Ränge ein, konnte aber gegen Ende des Rennens nochmals verborgene Kräfte mobilisieren und ein paar Fahrer überholen. So landete ich an meiner ersten EM schliesslich auf dem 25. Kategorienrang, womit ich mein erstes Saisonziel erreicht habe. Nun freue ich mich auf die weiteren Rennen, insbesondere die Marathons der iXS Classic Serie!

Bikergruss Thomas